Lesemotivation

Die Wissenschaft und statistische Untersuchungen bestätigen:

Wer als Kind regelmäßig Bücher vorgelesen bekommt, hat bessere Bildungschancen, denn er lernt, sich besser auszudrücken, kann seine Gedanken schneller ordnen und entwickelt eine kritischere Distanz zu äußeren Einflüssen ( z.B. das Internet). Die Fähigkeit zur inneren Organisation und eine höhere Ausprägung u.a. der emotionalen Intelligenz sind die Folge (so die Stiftung Lesen).

Eine bekannte Weisheit lautet: Wer viel liest, kann besser lesen (und auch mehr lernen). Wer gut lesen kann, hat mehr Spaß am Lesen (und Lernen). Und wer Spaß am Lesen hat, liest viel…

Lesemotivation und Lesekompetenz stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Vorlesen. Die Deutsche Bahn, Die ZEIT und Stiftung Lesen haben eine Studie („Vorlesen in Deutschland“ 2007) in Auftrag gegeben, die Erschreckendes zu Tage fördert: Nur noch 30 % der Eltern lesen regelmäßig vor. Erschreckend, weil im Elternhaus die Wurzeln für die Lesemotivation zu finden sind – oder eben auch nicht.

Inzwischen greifen laut Statistik 25 % der Jugendlichen über 14 Jahren nicht mehr nach einem Buch (Quelle: Stiftung Lesen). Fast die Hälfte der 14- bis 19-Jährigen gaben an, als Kinder nie ein Buch geschenkt bekommen zu haben.

Welche Bedeutung das Buch und das Lesen in einer Familie hat, ist auch eine Frage der Bildungsschicht und des Migrationshintergundes. In Familien mit türkischer Herkunftssprache lesen lediglich 17 % der Eltern regelmäßig vor. (Quelle: Studie „Vorlesen in Deutschland“ 2007)

Das ist der Ist-Zustand, aber wir müssen ihn nicht hinnehmen. Für Pädagogen und Erzieher ist es inzwischen eine Binsenweisheit, dass sie auch Erziehungsaufgaben der Eltern mit übernehmen müssen. Warum nicht die des Vorlesens? Die Kinder, die in Kindergarten und Schule regelmäßig erlebt haben, dass ihnen vorgelesen wurde (im Lehrplan für Grundschulen u.a. in Bayern vorgeschrieben), werden dem Buch in ihrem Leben wieder mehr Raum geben und später ihre Kinder ebenfalls durch Vorlesen an das Buch heranführen.

Wer als Kind erlebt hat, dass ihm seine Lehrerin täglich eine Viertelstunde vorgelesen hat, wird diesen Eindruck speichern. Lesen und Vorlesen werden zur Gewohnheit und Selbstverständlichkeit, wie das Essen und (hoffentlich!) das Zähneputzen.

Irgendwann können sich die Bildungseinrichtungen vielleicht wieder von dieser Aufgabe zurückziehen. Aber bis dahin, da bin ich mir sicher – haben die Pädagogen und Erzieher längst erlebt, wie überaus wunderbar das Vorlesen ist, nicht nur für den Zuhörer …

Zahlreiche Lehrerinnen, Lehrer, Buchhändler und Bibliothekare melden mir eine deutlich erhöhte Lesemotivation der Kinder nach meinen Veranstaltungen zu meinen Büchern zurück. Und genau so habe ich meine Lesungen auch konzipiert: Ich mache neugierig auf Bücher und zeige den Kindern, dass Lesen etwas Wunderbares ist.
 
Zudem halte ich Vorträge mit dem Thema „Sprich noch mal wie der Riese! – Leselust wecken durch Vorlesen im Unterricht“, in denen ich auf informative und gleichzeitig unterhaltsame Weise versuche, den Zusammenhang zwischen Vorlesen und Lesemotivation anschaulich zu machen.
Den Vortrag habe ich inzwischen vor Kollegien, für Schulämter, in Studienseminaren, vor Verbänden in ganz Deutschland und vor Eltern gehalten.